Werthaltigkeit für die Zukunft

Jürgen Seiler, geschäftsführender Gesellschafter von Bau 72 in Iffezheim, schildert in einem Gespräch mit dem liveMAGAZIN seine Einschätzung zum Thema Bauen 2019/2020.

Kapitalanlage auf dem Baumarkt

liveMAGAZIN: Wie beurteilen Sie die Lage für private Bauherren und Kapitalanleger auf dem Baumarkt?

Jürgen Seiler: Die Situation wird sich bis 2020 nicht grundlegend verändern. Es gibt keinen Grund für einen Wandel in der Zinspolitik, maximal in kleinen Schritten. Das größere Problem wird die weitere Verknappung der Grundstücke sein und damit verbunden eine Festschreibung der Preise, eher sogar noch ein Anstieg. Es wäre wünschenswert, wenn die Kommunen in Sachen „neue Grundstücke“ deutlich aktiver würden. Allerdings sind die Aussichten sind nicht sehr positiv, und man muss ehrlicherweise einräumen, dass natürlich auch nicht sehr viele Areale zur Verfügung stehen. Aber bei der Vermarktung der Grundstücke wäre sicher noch Luft nach oben, wenn es um die Preisbindung geht.

Was sich nicht vermeiden lässt, ist eine Preissteigerung. Die Vorgaben aus der Industrie von bis zu 15 Prozent können wir nicht komplett auffangen. Allerdings wird der Anstieg wird bei Bau 72 auch in diesem Jahr nur etwa fünf Prozent betragen. Die Novellierung der EnEv in 2020 zur Einhaltung eines sogenannten KfW 40+ Hauses wird Kosten von weiteren 10 Prozent verursachen. Das bedeutet ein Wohnhaus, das in 2017 noch 450.000 Euro gekostet hat, liegt 2020 bei 530.000 Euro, zuzüglich Grundstückskosten.

Die Einschätzung des Experten

liveMAGAZIN: Die Immobilie als Kapitalanlage. Ist das eine gute Idee?

Jürgen Seiler: Nach meiner Einschätzung ist sie immer noch die sicherste Kapitalanlage und zurzeit wohl auch die mit der besten Rendite. Wenn das Objekt eine wirklich gute Lage hat und in absolut bester Qualität erstellt wurde, dann haben Sie eine wertstabile Immobilie, auch noch nach Jahrzehnten. Natürlich ist die Rendite durch die gestiegenen Baukosten geschrumpft. Aber es können immer noch 3-4 Prozent erzielt werden und das ohne Risiko. Für den Kapitalanleger liegt der Ertrag heute primär im Wert der Immobilie und nicht in den zusätzlichen Erträgen durch die Miete, ob für einen Großkunden mit Mehrfamilienhaus oder dem Kauf einer nicht selbstgenutzten Eigentumswohnung.

Ein wirklich großes Problem wäre ein kräftiger Anstieg der Zinsen, denn viele junge Familien, die sich jetzt auf eigene Füße stellen, würden in eine drastische Schieflage geraten. Daher liegt es nach wie vor auch in der Verantwortung der Banken, dies bei der Vergabe der Kredite zu berücksichtigen.

liveMAGAZIN: Die Altersvorsorge ist derzeit in aller Munde. Die eigenen vier Wände sind immer noch sinnvoll?

Jürgen Seiler: Ich bewerte eine Immobilie nach wie vor als eine sehr gute Altersvorsorge, denn Sie zahlen die Miete in die eigene Tasche. Sie sind im Alter mietfrei oder Sie können das Haus veräußern, um zum Beispiel altersgerecht zu wohnen und zu leben. Viele Interessenten werden durch die hohen Baukosten abgeschreckt. Ich muss aber auch nicht in kürzester Zeit das Haus abbezahlt haben, mit Raten, die mir keinen Spielraum mehr für Lebensqualität lassen. Nur um den Kindern eine schuldenfreie Immobilien zu hinterlassen, die z. B. 400 000 Euro an Wert hat. Was sind da vielleicht noch 50.000 Euro Restschuld?

liveMAGAZIN: Das bedeutet auch andere Konzepte für das Wohnen im Alter?

Jürgen Seiler: Im Hinblick auf die Wohnsituation im Alter und haben wir die Struktur der Mehrfamilienhäuser verändert und bieten einen größeren Anteil 1- und 2-Raum-Wohnungen an, komplett barrierefrei, auch zu den Balkonen oder Terrassen, natürlich die Bäder und mit Aufzug. Also alle Annehmlichkeiten, die man im Alter möchte.

liveMAGAZIN: Welche Förderprogramme stehen auch in den nächsten Jahren zur Verfügung?

Jürgen Seiler: Die Klassiker – also alle Förderungsmaßnahmen durch die KfW, die Landesbank stellt Mittel zur Verfügung und es gibt spezielle Programme für junge Familien. Außerdem das Baukindergeld, pro Kind 12.000 Euro auf 10 Jahre, das fast von allen Bauherren in Anspruch genommen wird und, nach meiner Einschätzung, eine kluge Entscheidung war. So kann, bei einem Baupreis von 450.000 € die Kostensteigerung von fünf Prozent aufgefangen werden. Das ist der beste Anreiz, um das eigene Kapital sicher anzulegen und gleichzeitig für das Alter vorzusorgen.

liveMAGAZIN: Am besten natürlich mit Bau 72. Qualität ist schließlich seit Jahrzehnten Ihre Maxime. Herr Seiler, wir bedanken uns für das Gespräch.

Fotos: © Jan Bürgermeister, Gerhard Dinger, Animationen-Bau72

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