Verordnungen und ihre Folgen

Jürgen Seiler bittet zum Gespräch

In loser Reihenfolge führt Jürgen Seiler, geschäftsführender Gesellschafter von Bau’72, Gespräche über das Bauen in der Zukunft. Zum Thema „Wie ist die Kostenentwicklung im Wohnungsbau zu bewerten?“ ist Rolf J. Wertheimer sein Gesprächspartner. Seit 1973 ist er geschäftsführender Gesellschafter der Baustofffachhandelsgruppe Wertheimer mit Hauptsitz in Baden-Baden und 23 Standorten in der Rheinschiene sowie in Berlin. somit ist er wie geschaffen für dieses Gesprächsthema.

Rolf J. Wertheimer wurde mit seinem Unternehmen bereits 1978 Gesellschafter der hagebau, die einen Verbund freier und selbstständiger Unternehmer darstellt. Vier Jahre nach dem Beitritt wurde der damals 35-Jährige in den Aufsichtsrat gewählt und vierzehn Jahre lang war er ein sehr erfolgreicher Vorsitzender dieses Gremiums. Gleichzeitig hat Rolf J. Wertheimer das eigene Unternehmen zu einer Firmengruppe mit  rund 1.000 Mitarbeitern ausgebaut.

Die Bauwirtschaft boomt wie seit langem nicht mehr. Das ist sicherlich den nach wie vor extrem niedrigen Zinsen geschuldet, aber natürlich auch der sehr guten Beschäftigungslage. In den Augen der potenziellen Bauherren sind die steigenden Kosten jedoch ein Wermutstropfen. „Mein Unternehmen Bau‘72 zum Beispiel ist seit Jahren um stabile Preise bemüht und erreicht diese auch. Wir liegen mit 2,3 bis 2,5 Prozent bei einem absolut moderaten Wert. Diese Zahlen können wir realisieren, weil wir über einen kompetenten und handwerklich sehr versierten Stamm von Handwerkern verfügen, die aufeinander eingespielt sind. Außerdem arbeiten wir seit Jahren mit dem Baustoff-Fachhandel Wertheimer zusammen, der diese Preispolitik unterstützt. Allerdings befürchte ich, dass sich die Kostensituation bald ändern wird. Daher meine Frage: Welchen Einfluss werden die EnEV (Energieeinsparverordnung, Anm. d. Red.) 2016 bzw. die EnEV 2020 auf die Kosten haben?“

„Wir sind uns sicher einig, dass die gestiegenen Baukosten nicht mit handwerklicher Verarbeitung oder stark gestiegenen Materialkosten zusammenhängen“, so Rolf Wertheimer. „Energieeinsparung, auch beim Bauen, ist wichtig, aber die Vorschriften sind die eigentlichen Kostentreiber. Allein die zahlreichen Novellierungen der EnEV hatten über den Zeitraum von 2000-2014 einen Anstieg der Bauwerkskosten von 6,5 Prozent zur Folge. Die nächste Anforderungsstufe, die EnEV 2016, bedeutet eine weitere Kostensteigerung von 7,3 Prozent. Studien des Verbandes, aber auch unabhängiger Gremien belegen diese Werte.“

Jürgen Seiler kann dem nur zustimmen. Seine eigenen Berechnungen mit von ihm durchgeführten Objekten und eine Hochrechnung zu den neuen Verordnungen bestätigen diese Zahlen. „Bisher konnte der Bauherr entscheiden, ob er erhöhte Anforderungen an die Energieeinsparung stellen möchte. Wenn aber ab 2016 der KfW70-Standard verpflichtend wird, ist der Traum vom eigenen Haus für viele ausgeträumt.“ Wieder einmal steht also Ökologie gegen Ökonomie? „Sicherlich nicht, denn Bau’72 steht selbstverständlich für Innovation, Energieeinsparung und eine nachhaltige Bauweise. Aber das, was jetzt an Vorschriften auf uns zukommt, ist ökonomisch nicht vertretbar“, so die eindeutige Aussage von Jürgen Seiler.

Diese Meinung vertritt auch Rolf J. Wertheimer uneingeschränkt. Vielleicht hätte man von einem Baustoffhändler erwartet, dass er sich über die Mehrmengen an Dämmstoffen freut, aber das Gegenteil ist der Fall. „Wir wollen ja nicht nur heute und morgen ein erfolgreiches Unternehmen sein. Es wäre kurzsichtig, nicht zu erkennen, was diese Vorschriften für Folgen haben werden. Langfristig werden sie das Bauen völlig unverhältnismäßig verteuern. Das kann nicht von uns unterstützt werden, und das ist nicht im Interesse des Fachhandels.“

Es kommen also schwierige Zeiten auf die Bauherren zu. Wieder einmal sind Beratung und Information eine wichtige Aufgabe des Bauträgers. Welche Normen müssen eingehalten werden, die DIN (Deutsche Industrie Norm) oder die europäischen Normen? Was muss der Kunde akzeptieren, und wo hat er überhaupt noch die freie Wahl? Wie wirkt sich Europa auf den nationalen Baumarkt aus?

Kompetenz zum Thema Beratung ist also auf allen Seiten gefordert, auch auf der Seite des Fachhändlers. „Selbstverständlich“, so Jürgen Seiler, „kann ich meine Kunden nur zur Bemusterung in eine Ausstellung schicken, die unserem Qualitätsanspruch entspricht. Ich arbeite seit Jahrzehnten mit Rolf Wertheimer zusammen. Hier kenne ich meine Ansprechpartner für die einzelnen Gewerke, die nicht nur verkaufen, sondern auch beraten. Und ich kann sicher sein, dass meine Bauherren bestens informiert werden.“
„Natürlich liegt das auch darin begründet, dass wir das gesamte Sortiment bedienen können. Auch in dem gewünschten zum Teil gehobenen Preisniveau. Baustoffe, Fliesen, Natursteine und Sanitär. Wir bieten alles, was ein so angesehener Bauträger wie Bau’72 für seine Kunden braucht“, ergänzt Rolf Wertheimer.

Text: Redaktion liveMAGAZIN/Foto(s): mg

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